Der Malojawind ist ein typisches Schönwetterphänomen im Oberengadin. An sommerlichen Sonnentagen setzt eine Luftströmung von Maloja ein, die bis weit über St.Moritz reicht. Der Malojawind hat eine spezielle Eigenschaft, nämlich weht er in die falsche Richtung. Wegen dieser speziellen Eigenschaft gilt er bei Meteorologen als paradoxe Naturerscheinung, da der Malojawind, nicht wie jeder Gutwetterwind, bergwärts in den Gebirgen weht, sondern talwärts durch das Oberengadin weht. Der Malojawind ist jedoch nichts anderes als der mächtig entwickelte Talwind des Bergells. Das steile sich nach Süden öffnende Bergell besitzt alle Voraussetzungen zur Bildung kräftiger Talwinde. An schönen Sommertagen wo sich der Talwind mit Macht entwickelt, strömen die Luftmassen aus Südwesten her gegen Maloja und dringen durch die hier schützenden Bergkranz öffnende Lücke ins Oberengadin vor. Wenn hier durch kein grossräumiges Wettergeschehen bedingte Gegenströmung herrscht, kann sich der Talwind als Malojawind bis über St. Moritz geltend machen. Der Malojawind kann in jeder Jahreszeit, ausser im Winter auftreten.

Die Malojaschlange wälzt sich unter bestimmten meteorologischen Bedingungen als eine graue quellende Wolkenwalze von Maloja her das Oberengadin hinab. Die Malojaschlange kann als Wolken- oder Nebelbank ganz auf dem Talgrund aufliegen oder sich in einer bestimmten Höhe dem nordwestlichen Talhang entlang Silvaplana, St. Moritz, Corviglia, Samedan und weiter hinziehen. Die Malojaschlange zeigt sich auch als perlschnurartige Stratokumulus-Bewölkung. Typisch bei der Malojaschlange ist die auffällige Begrenzung auf ein ganz bestimmtes Niveau. Die Vorbedingungen für die Entstehung der Malojaschlange ist ein tiefes Kondensationsniveau. Wenn das Kondensationsniveau bei 100 bis 200 Meter tiefer als Maloja liegt, kriecht die Malojaschlange als Nebelbank durch den Passeinschnitt ins Engadin und legt sich auf den Talgrund. Liegt das Kondensationsniveau jedoch höher als der Talgrund, kühlen sich aus dem Bergell aufdrängende feuchten Luftmassen erst in der Höhe zur Wolkenbildung ab. So entsteht die Wolkenschlange. In den meisten Fällen ist die Malojaschlange ein Schlechtwetterzeichen. Die Malojaschlange hat trotz all dieser Fakten keinen einheitlichen Entstehungsmechanismus.

(Quellen : Hochstettler/ Kasser: Dokumentation Oberengadin, 1989 Bild: 500px.com)

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